Wo ist der Fokuspunkt?

Manchmal wundert man sich, warum ein Bild unscharf geworden ist. An der Blende und an der Belichtung kann es nicht gelegen haben, und trotzdem … Da hilft es weiter, wenn man sich den Punkt anzeigen lassen kann, auf den die Kamera scharf gestellt hat. Ich stelle zwei Plugins dafür vor und zeige ihre Vor- und Nachteile.

Auch wenn man es nachträglich nicht mehr verändern kann, möchte man manchmal wissen, wohin die Kamera eigentlich scharf gestellt hat. Insbesondere bei der Sportfotografie oder wenn man Vögel im Flug verfolgt, stellt man gerne den Mehrfeld-Autofokus ein und überlässst der Kamera die Wahl des Fokuspunkts. Wenn dann die Bilder trotzdem unscharf werden, kann man vielleicht etwas draus lernen und beim nächsten Mal besser machen.

Leider kann Lightroom den Fokuspunkt nicht anzeigen, obwohl er von den meisten Kameras in den EXIF-Dateien gespeichert wird. Aber zum Glück gibt es ja Plugins, und sogar gleich zwei: „Show Focus Points“ und „Focus Points“. Beide heißen nicht nur ähnlich, sondern ähneln sich auch im Funktionsumfang. Sie weisen aber auch einige Unterschiede auf.

Gemeinsam ist beiden, dass es sie nur auf Englisch gibt. Auch die Webseiten und Anleitungen sind englisch. Die Installation ist aber relativ einfach – soweit man bei der Plugin-Installation bei Lightroom halt von „einfach“ sprechen kann.

Show Focus Points

Show Focus Points von Chris Reimold ist das ältere der beiden. Du kannst es von seiner Webseite herunterladen. Es ist das optisch ansprechendere Plugin, hat aber den Nachteil, dass es zurzeit nur Canon- und Nikon-Kameras sowie seit Anfang 2017 auch die Sony A77ii unterstützt. Für mich als Olympus-Besitzer ist das doof. Aber um es zu testen, habe ich meine alte Canon EOS 450D herausgekramt.

Show Focus Points: Beispiel Canon EOS 450D

Das Plugin zeigt alle Fokuspunkte an, die die Kamera hat. Der aktive wird rot dargestellt. Sofern die Kamera die Information speichert, werden weitere „Zustände“ der Fokuspunkte angezeigt. Außerdem werden weitere Metadaten angezeigt, die für die Beurteilung des Fokus wichtig sein könnten, wie z.B. die Entfernung zwischen Kamera und Objekt der Begierde.

Show Focus Points gibt es für Mac OS X und Windows. Das Plugin ist kostenlos, aber nicht Open Source.

Focus Points

Focus Points von Joshua Musselwhite kann Daten von deutlich mehr Kameras verarbeiten. Eine Liste der „offiziell“ unterstützten Kameras gibt es online, nach meiner bescheidenen Erfahrung funktioniert’s aber auch mit mindestens einer Kamera, die nicht auf der Liste steht, nämlich der Pentax K-01. Ich kann also nur dazu raten, das Plugin einfach mal auszuprobieren, auch wenn Deine Kamera nicht auf der Liste steht.

Die Download-Seite von Focus Points schreckt auf den ersten Blick ab, denn Joshua veröffentlicht sein Plugin über die Open-Source-Plattform Github. Aber eigentlich musst Du nichts weiter tun als den grünen Button „Clone or Download“ zu klicken und dann auf „Download ZIP“.

Bei meiner alten Canon werden alle Fokuspunkte angezeigt; der aktive ist rot. Also kein großer Unterschied zu „Show Focus Points“, allerdings gibt es keine Anzeige weiterer Metadaten. Dafür gibt es eine weitere Funktion, mit der Du alle EXIF-Daten in einem Fenster darstellen lassen kannst.

Focus Points Viewer: Beispiel Canon EOS 450D

Der Vorteil von Focus Points ist die Unterstützung von viel mehr Kameraherstellern und Modellen. So wird zum Beispiel der gewählte Fokuspunkt meiner Olympus OMD EM-1 dargestellt. Theoretisch kann Focus Points auch darstellen, wenn bei der Kamera z.B. die automatische Gesichtserkennung angesprungen ist. Bei der Oly scheint das aber nicht zu funktionieren.

Focus Points Viewer: Beispiel Olympus OMD EM-1

Focus Points ist ebenfalls kostenlos. Die Software ist Open Source, so dass theoretisch viele engagierte Entwickler an der Weiterenwicklung arbeiten können. Joshua jedenfalls ruft ausdrücklich dazu auf. Die Version für Mac OS X habe ich getestet; in der Windwos-Version steckt wohl noch ein Bug.

Installation

Nach dem Herunterladen und Entzippen hast Du eine „.lrplugin“-Datei, die Du nur ins richtige Verzeichnis kopieren und über den Zusatzmodul-Manager installieren musst.

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